Ostern mit Herz und Hirn erlebbar machen – kognitive Aktivierung bei Menschen mit Demenz

30.03.2026
Stephanie Puck

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Ostern ist ein Fest der Freude und der Hoffnung und das Thema eignet sich wunderbar, um Menschen mit einer beginnenden Demenz kognitiv zu aktivieren und diese Aktivierung in den Alltag einzubauen.

Dabei gilt es aber für die Pflegenden einige Dinge zu beachten. Wichtig ist, dass bei der kognitiven Aktivierung immer der Spaß und die Beziehung im Vordergrund stehen und nicht das reine Wissen. Es geht also nicht darum, ob sich jemand „gut erinnert“, sondern um die gemeinsame schöne Zeit.

Hier die wichtigsten Grundsätze im Überblick:

·         Kein Leistungsdruck: Personen mit Demenz sollen nicht das Gefühl haben auf dem Prüfstand zu stehen – es gibt keine „richtigen“ oder „falschen“ Antworten.

·         Kein Zeitdruck: gehen Sie langsam vor und planen Sie Pausen ein.

·         Biografie in den Mittelpunkt stellen: Was hat der zu Pflegende in seinem Leben erlebt? Wo liegen seine Interessen?

·         Gefühle sind zentral: Manchmal werden schöne Erinnerungen von den zu Pflegenden durcheinandergebracht oder die Details sind nicht stimmig. Dann sollte man nicht immer auf den Fakten pochen, sondern das schöne Gespräch und die gute Stimmung als Erfolg verbuchen.

·         Sicherheit und Orientierung: Wiederholungen, gleiche Reihenfolgen und Rituale geben Personen mit Demenz Halt und Ruhe.

·         Aktivierung mit allen Sinnen: Je mehr Sinne beteiligt sind, desto leichter fällt die Aktivierung.

Hier einige konkrete Anregungen wie Aktivierungsübungen rund um das Thema Ostern aufgebaut sein können:

Nutzen Sie Biografie bezogene Fragen, um ein Gespräch zum Thema zu starten. Dabei sollte man möglichst offene Fragen stellen, bei denen jede Antwort richtig ist.

Beispiele: Wie habt ihr früher Ostern gefeiert?

Gab es früher auch einen Osterhasen? Wer hat bei dir als Kind die Eier versteckt? Kannst du dich an ein besonders gutes Versteck erinnern? Was habt ihr gerne zu Ostern gegessen?

Sollte die Person nicht von sich aus erzählen kann man selbst mit einer Erzählung starten wie beispielsweise: „Ich kann mich erinnern, dass wir früher die Eier mit Zwiebelschalen eingefärbt haben…“

Danach könnten Wörter gesammelt werden, die zu Ostern passen wie beispielsweise der Osterhase. Gemeinsam wird dann gesammelt „Was fällt dir noch zu Ostern ein?“ Dabei sind alle Ideen willkommen (z.B.: Eier, Kirche, Glocken…)

Auch Sprichwörter sind bei Personen mit kognitiven Einschränkungen durch ihren häufigen Gebrauch und die Bildhaftigkeit oft gut verankert und können auch hier genutzt werden, indem der Anfang eines Sprichwortes genannt wird und die Person das restliche Sprichwort ergänzt. Zum Beispiel: „Den Bock…“ (zum Gärtner machen) oder „Da liegt der Hase...“ (im Pfeffer), oder „Auch ein blindes Huhn…“ (findet mal ein Korn).

Sollte keine Antwort kommen, kann man den Satz selbst zu Ende sprechen und ein neues Sprichwort anbieten oder das Thema wechseln. Bei Personen die Sprichwörter gerne mögen, kann man auch darüber sprechen, wann diese Sprichwörter verwendet werden.

Es können auch gemeinsame Ostervorbereitungen getroffen werden wie beispielsweise gemeinsames Eierfärben, den Osterstrauch schmücken oder ein typisches Hefegebäck backen.

Dabei kann ein das Ostereierfärben auch genutzt werden, um beispielsweise Eier nach Farben zu sortieren und in die Kartons zu schlichten, was sowohl die Feinmotorik als auch das Kurzzeitgedächtnis trainiert.

Beim Osterstrauch schmücken wird ebenfalls die Feinmotorik trainiert. Außerdem kann der Tastsinn aktiviert werden indem beispielsweise über die Palmkätzchen gestrichen wird.

Schließlich wird beim gemeinsamen Backen und anschließenden Verkosten sowohl der Geruchs- als auch Geschmackssinn aktiviert.

Die oben genannten Übungsbeispiele richten sich nach Tagesverfassung und Grad der Erkrankung des zu Pflegenden. Es ist wichtig auf die Stimmung der Person zu achten und Überforderung zu vermeiden. Es sollten nicht zu viele Eindrücke auf einmal vermittelt werden, sondern eins nach dem anderen. Das gilt auch für Feiern mit der Familie – was früher genossen wurde, wie eine großre Familienfeier mit vielen Personen, kann von Menschen mit Demenz schnell als überfordernd wahrgenommen werden.

Seien Sie wertschätzend und zeigen Sie Anerkennung durch ihre Worte, Blicke und Berührungen. Sagen Sie beispielsweise: „Danke, dass du mir das erzählt hast“ oder „Schön, dass wir das gemeinsam machen“.

Und zu guter Letzt ist es wichtig, auch die eigenen Grenzen zu akzeptieren, Pausen einzuplanen und lieber kurz und liebevoll kleine Aktivierungen in den Alltag einfließen zu lassen als ein großes Programm zu planen, das alle zusammen überfordert. 

 

 

 

https://www.felix-demenzbegleitung.at/feiern-bei-demenz/

https://www.alzheimer-forschung.de/demenz/pflege/umgang/ostern/

Schloffer H., Prang E. und Frick Salzmann A. (Hrsg.) (2021) Gedächtnistraining: Theorethische und praktische Grundlagen Springer Medizin Verlag, Berlin.

Schloffer H. & Puck M. (2005) Methodenkompetenz – Aktiv & fit von Kopf bis Fuß: ganzheitliches Gedächtnistraining für Senioren. Olzog-Verlag, München