Selbstfürsorge in Pflege und Betreuung: Was das bedeutet
Self-Care oder Selbstfürsorge bedeutet: Ich achte auch auf
meine eigenen körperlichen, seelischen und sozialen Bedürfnisse. In der
Betreuung und Pflege anderer ist das besonders wichtig, weil pflegende Menschen
oft viel geben und dabei ihre eigenen Grenzen übersehen. Die Welt
Gesundheitsorganisation (WHO) betont, dass gesundes Altern auch von einem
unterstützenden Umfeld und von gesundheitsförderlichem Verhalten abhängt; das
gilt nicht nur für ältere Menschen, sondern auch für die Menschen, die sie
begleiten. Selbstfürsorge ist deshalb kein Luxus, sondern eine Voraussetzung
dafür, auf Dauer gesund und belastbar zu bleiben.
Warum Selbstfürsorge so wichtig ist
Pflegen kann erfüllend sein, aber auch anstrengend. Viele
betreuende Personen erleben Zeitdruck, Schlafmangel, körperliche Belastung,
Sorgen um den anderen Menschen und manchmal auch das Gefühl, alles allein
tragen zu müssen.
Wenn daraufhin die Selbstfürsorge zu kurz kommt, steigt das
Risiko für Erschöpfung, Stress, depressive Symptome und Überforderung. Gute
Selbstfürsorge schützt also nicht nur die pflegende Person, sondern auch die
Qualität der Betreuung und der Beziehung zum Betreuenden.
Wissenschaftlich gesehen ist das wichtig, weil chronischer
Stress Körper und Psyche belastet. Das National Institute on Aging beschreibt,
dass regelmäßige Bewegung, guter Schlaf, soziale Kontakte, seelische Gesundheit
und ärztliche Vorsorge zentrale Bausteine für gesundes Altern sind. Für
pflegende Menschen heißt das: Wer sich selbst stabil hält, kann langfristig
auch besser helfen.
Grundprinzipien der Selbstfürsorge
Selbstfürsorge funktioniert am besten, wenn sie nicht als
Extra behandelt wird, sondern als fester Bestandteil unseres Alltags. Es ist
ein wenig wie Zähneputzen: da reicht einmal putzen in der Woche auch nicht für
ein strahlendes Lächeln.
Drei Grundprinzipien sind für eine erfolgreiche
Selbstfürsorge besonders hilfreich:
·
Grenzen setzen,
·
Unterstützung annehmen und
·
regelmäßige kleine Erholungsmomente einbauen.
Auch die Forschung zur SelfCare in pflegerischen Kontexten
betont, dass bewusste Selbstwahrnehmung und das Erkennen eigener Grenzen
zentrale Fähigkeiten sind.
Wichtig ist auch eine realistische Haltung. Selbstfürsorge
bedeutet nicht, immer ausgeglichen zu sein oder alles perfekt zu schaffen. Es
bedeutet vielmehr, rechtzeitig zu merken: Ich brauche eine Pause, Hilfe oder
Entlastung. Genau diese Haltung schützt vor Überforderung.
Tipps für den Alltag
Hier sind alltagstaugliche Maßnahmen, die sich gut mit
häuslicher Pflege verbinden lassen:
·
Plane feste Pausen ein, auch wenn es nur 5 bis
10 Minuten sind.
·
Setze klare Grenzen und übe, freundlich „Nein“
zu sagen.
·
Nutze kurze Achtsamkeitsmomente, zum Beispiel
bewusst atmen oder kurz stillsitzen.
·
Pflege Kontakte zu Freunden, Nachbarn oder
Verwandten, auch telefonisch.
·
Bewege dich regelmäßig, zum Beispiel durch
Spaziergänge, Dehnübungen oder Treppensteigen.
·
Schlafe so regelmäßig wie möglich und nimm
Schlafprobleme ernst.
·
Iss regelmäßig und möglichst ausgewogen, damit
du genug Energie hast.
·
Plane Hilfe von außen ein, zum Beispiel durch
Angehörige, Besuchsdienste oder Entlastungsangebote.
·
Mache dir bewusst, was dir guttut: Musik, Lesen,
Gartenarbeit, eine Tasse Kaffee in Ruhe oder ein kurzer Gang an die frische
Luft.
·
Sprich früh über Überforderung, statt erst zu
warten, bis gar nichts mehr geht.
Entlastung nutzen
Viele Menschen versuchen, alles allein zu schaffen. Doch das
ist auf Dauer selten gut machbar. Entlastung ist kein Zeichen von Schwäche,
sondern von Verantwortung. In Österreich gibt es für pflegende Angehörige zum
Beispiel Beratungs- und Gesprächsangebote; solche Unterstützungen können
helfen, die Belastung besser zu tragen.
Auch im privaten Umfeld kann man Aufgaben verteilen:
Einkaufen, Fahrdienste, Dokumente, Telefonate oder kleine Haushaltsarbeiten.
Wenn möglich, sollten Pflegende früh ein Unterstützungsnetz
aufbauen. Dazu können Familienmitglieder, Nachbarn, Freundinnen und Freunde,
freiwillige Helfer oder professionelle Dienste gehören. Je früher man Hilfe
organisiert, desto besser lässt sich Erschöpfung vorbeugen.
Wichtig ist dabei: Nicht eine einzelne Maßnahme hilft,
sondern die Kombination. Kleine Schritte im Alltag sind oft wirksamer als große
Vorsätze, die man nicht durchhalten kann.
Schlussgedanke
Wer ältere Menschen betreut oder pflegt, leistet viel.
Gerade deshalb ist Selbstfürsorge so wichtig. Gute Selbstfürsorge hilft, gesund
zu bleiben, klarer zu denken, geduldiger zu sein und die Pflege länger gut
bewältigen zu können. Man muss dafür nicht sein ganzes Leben umstellen. Oft
reichen schon kleine, regelmäßige Schritte.
Hilfreiche Links:
Das Angehörigengespräch
https://broschuerenservice.sozialministerium.gv.at/Home/Download?publicationId=667
Zeitpolster
Quellen:
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8970644/
https://www.draco.de/selbstfuersorge-6-tipps-fuer-pflegekraefte/
https://www.sozialministerium.gv.at/Themen/Pflege/Betreuende-und-Pflegende-Angehoerige.html
https://www.pflegeberatung.de/pflegeanspruch/fuer-pflegende-angehoerige/entlastung/7-tipps-zur-selbstfuersorge-im-alltag
Bildquelle:
https://pixabay.com/de/photos/self-care-selbst-pflege-4899284/
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