Was oft passiert
Wer einen älteren Menschen pflegt oder betreut, übernimmt eine große Verantwortung. Im Alltag kommen oft viele Aufgaben zusammen: helfen, organisieren, zuhören, Medikamente im Blick behalten, Termine machen und gleichzeitig den eigenen Alltag bewältigen. Dazu kommen häufig Sorgen um die Gesundheit der betreuten Person, Zeitdruck und das Gefühl, immer verfügbar sein zu müssen.
Das führt dazu, dass viele pflegenden Angehörige auch
seelischen Druck erleben. Manche fühlen sich allein gelassen, müde oder
überfordert. Andere haben Schuldgefühle, wenn sie einmal nicht helfen können
oder sich Zeit für sich selbst nehmen. Besonders im häuslichen Bereich
verschwimmen die Grenzen zwischen Familie, Hilfe und Pflege schnell. Genau das
macht Pflege oft so belastend.
Welche Warnzeichen man ernst nehmen sollte:
Belastung zeigt sich nicht nur im Kopf, sondern auch im
Körper. Typische Warnzeichen sind Schlafprobleme, anhaltende Müdigkeit,
Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Verspannungen oder häufiger Infektanfälligkeit.
Auch innerer Druck, Reizbarkeit, Traurigkeit, Nervosität oder das Gefühl, kaum
noch abschalten zu können, sind wichtige Signale.
Ebenso ernst zu nehmen sind Veränderungen im Verhalten. Wer
sich immer mehr zurückzieht, kaum noch Freude empfindet oder das Gefühl hat,
„nicht mehr zu können“, braucht Unterstützung.
Wenn Pflege auf Dauer krank macht, ist es wichtig, früh
gegenzusteuern.
Was helfen kann
Der erste Schritt ist oft, die eigene Belastung überhaupt zu
benennen. Viele Menschen halten lange durch und reden erst sehr spät darüber.
Doch genau das ist wichtig: Nicht zuwarten, bis gar nichts mehr geht.
Auch kleine Entlastungen können viel bringen.
Zum Beispiel:
·
regelmäßige freie Zeiten für Erholung,
·
Hilfe durch andere Familienmitglieder,
·
Unterstützung durch mobile Dienste,
·
Beratung bei Pflegefragen,
·
Gespräche mit Fachpersonen.
Das psychologische Angehörigengespräch
Ein sehr wichtiges Angebot in Österreich ist das
psychologische Angehörigengespräch. Es richtet sich an pflegende Angehörige,
die psychisch belastet sind und deren Angehörige Pflegegeld beziehen. Das
Gespräch wird von Psychologinnen und Psychologen geführt und kann helfen,
seelische Belastungen aufzuarbeiten.
Ziele des Angehörigengesprächs sind unter anderem:
·
psychische und soziale Belastungen zu
reduzieren,
·
die eigene Gesundheit zu stärken,
·
neue Perspektiven zu finden,
·
Entlastung im Alltag zu ermöglichen.
Das Angebot kann zu Hause, an einem anderen Ort, telefonisch
oder online stattfinden. In Österreich sind bis zu zehn Gesprächseinheiten
kostenlos möglich. Dabei geht es nicht darum, jemanden zu bewerten, sondern
darum, gemeinsam Lösungen zu finden und die eigene Grenze besser wahrzunehmen.
Wohin man sich wenden kann
Wer Unterstützung braucht, sollte sich möglichst früh
melden. Erste Anlaufstellen sind die Hausärztin oder der Hausarzt,
Pflegeberatungsstellen, mobile Dienste, Gemeindeangebote und regionale
Pflegehotlines. In Österreich gibt es je nach Bundesland eigene Hotlines und
Stellen für pflegende Angehörige.
Denn Pflege ist wertvoll. Aber sie darf Menschen nicht krank machen. Wer auf Warnzeichen achtet, früh Hilfe annimmt und das Angehörigengespräch nutzt, schützt die eigene Gesundheit und damit auch die Qualität der Pflege. Hilfe zu suchen ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist ein wichtiger Schritt, um langfristig gut für einen anderen Menschen da sein zu können.
Diese Seite verwendet Cookies um das Nutzererlebnis zu steigern.