Rund
30 Fachleute aus Österreich und Ungarn tauschten sich am 1. Oktober 2026 in der
Diözese Graz-Seckau zum Thema Einsamkeit im Alter aus. Foto: Gerd Neuhold
Graz, 1. Oktober 2026 – Wie erkennen wir
Einsamkeit bei älteren Menschen, wie sprechen wir sie an, ohne zu beschämen,
und was brauchen Gemeinden, damit Einsamkeit gar nicht erst entsteht? Diesen
Fragen widmeten sich am Vormittag des 1. Oktober rund 30 Teilnehmerinnen und
Teilnehmer aus Österreich und Ungarn bei einem Erfahrungsaustausch in der
Diözese Graz-Seckau. Das Treffen fand im Rahmen des Interreg-Projekts Com(p)AGE
(Österreich–Ungarn) statt, einen Tag vor dem Dialogtag gegen Einsamkeit in
Graz.
Einsamkeit in Zahlen – Mythen
und Fakten
Als Referentin führte Silvia Vollstuber, BSc.
MA, vom Institut für Gesundheitsförderung und Prävention (IfGP) und
Koordinatorin des „Dialog gesund & aktiv altern“, durch den Vormittag. Sie
räumte mit verbreiteten Mythen auf: Einsamkeit gehört nicht automatisch zum
Alter, und Alleinleben ist nicht gleichbedeutend mit Einsamsein. Die Zahlen
zeigen dennoch, wie relevant das Thema ist: Laut WHO fühlt sich weltweit jeder
sechste Mensch einsam, in Österreich sind es rund 1,8 Millionen Menschen
zumindest gelegentlich. Mit zunehmendem Alter steigt vor allem das Gefühl, dass
Gesellschaft fehlt, und gesundheitliche Einschränkungen gelten als einer der
stärksten Risikofaktoren.
Ein Tabu, das Hilfe erschwert
Ein Schwerpunkt lag auf der Frage, warum
Einsamkeit noch immer schambehaftet ist und wie eine sensible,
entstigmatisierende Sprache Türen öffnen kann. Die Unterscheidung von
Alleinsein, Einsamkeit und sozialer Isolation macht deutlich, dass jede
Situation andere Antworten braucht. Als praxisnahe Ansätze stellte die
Referentin Social Prescribing, also die gezielte Vermittlung von Patientinnen
und Patienten an soziale Angebote, sowie Initiativen wie das Plaudernetz der
Caritas, die Plattform gegen Einsamkeit und „Auf gesunde Nachbarschaft!“ des
Fonds Gesundes Österreich vor.
Offene Diskussion und
Erfahrungsaustausch
Im Anschluss an den Vortrag wurde lebhaft
diskutiert. Die Teilnehmenden tauschten ihre Erfahrungen aus der eigenen Praxis
mündlich aus, die ungarischen Kolleginnen und Kollegen brachten Beispiele aus
ihrem Arbeitsalltag ein, und die wichtigsten Gedanken wurden auf einem
Flipchart gesammelt. Dabei zeigte sich, wie ähnlich die Herausforderungen auf
beiden Seiten der Grenze sind.
Der Vormittag machte deutlich: Einsamkeit ist
kein persönliches Versagen, sondern eine gesellschaftliche Aufgabe, die
grenzüberschreitend am besten gemeinsam angegangen wird. Die Ergebnisse fließen
in die weitere Zusammenarbeit im Projekt Com(p)AGE ein.
Weiterführende Links:
Workshop-Unterlagen
Das Projekt Com(p)AGE
(ATHU-0100038) wird im Rahmen des Programms Interreg VI-A Österreich–Ungarn aus
Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung kofinanziert.