Einsamkeit im Alter ist kein Randthema. In Österreich fühlen
sich laut einer Studie der Caritas mehr als 600.000 Menschen regelmäßig einsam.
Das ist nicht nur ein unangenehmes Gefühl, sondern kann auch die Gesundheit
belasten – bis hin zu einem höheren Risiko für Depressionen. Gleichzeitig gibt
es heute mehr digitale Möglichkeiten als je zuvor, um in Kontakt zu bleiben.
Aber welche helfen wirklich?
Das Telefon als erste Brücke - das Plaudernetz
Nicht jede Brücke gegen Einsamkeit braucht ein Smartphone.
Das Plaudernetz der Caritas ist das erste österreichweite Angebot dieser Art:
Wer gerne mit jemandem plaudern möchte, ruft einfach an und wird mit einer
freiwilligen Plauderpartnerin oder einem freiwilligen Plauderpartner verbunden.
Die Gespräche sind anonym, vertraulich und unkompliziert. Die Nummer lautet 05
1776 100, die aktuellen Erreichbarkeitszeiten stehen auf plaudernetz.at.
Das Angebot gibt es seit April 2020, inzwischen engagieren
sich mehrere tausend Freiwillige, und es wurden schon weit über 30.000
Gespräche geführt. Wichtig zu wissen: Das Plaudernetz ist keine Notfallhotline,
sondern ein Angebot für die kleinen und großen Alltagsgespräche. Wer selbst
gerne zuhört, kann sich dort auch als Plauderpartnerin oder Plauderpartner
engagieren. Das ist ein schönes Ehrenamt, das man bequem von zu Hause aus
ausüben kann.
Apps, die Verbindung schaffen
Gruppen und Online-Treffen. Viele Pfarren, Vereine und
Seniorenbund-Ortsgruppen nutzen Messenger-Gruppen oder Videokonferenzen, um in
Verbindung zu bleiben. Das ist eine gute Möglichkeit, auch dann, wenn jemand
nicht mehr so mobil ist.
Neuere Angebote setzen auf kleine psychologische Übungen,
mit denen man soziale Fähigkeiten trainieren kann. Eine erste Studie aus
Deutschland zeigte, dass sich nach vier Wochen Nutzung viele Teilnehmende
weniger einsam fühlten. Allerdings fehlte dort eine Vergleichsgruppe was
bedeutet, dass die Ergebnisse also ein Hinweis sind, aber noch kein Beweis.
Ob Videoanrufe die Einsamkeit älterer Menschen wirklich
verringern, lässt sich nach heutigem Stand der Forschung noch nicht sicher
sagen. Ein internationaler Überblick im Rahmen einer Cochrane Analyse fand dazu
bisher zu wenige verlässliche Studien. Das heißt nicht, dass digitale Kontakte
nichts bringen – aber es zeigt: Apps sind eine Ergänzung, kein Ersatz für
persönliche Begegnungen und Gespräche.
Gut begleitet in die digitale Welt
Wer noch unsicher mit Smartphone oder Tablet ist, muss nicht
allein anfangen. In Österreich gibt es viele kostenlose oder günstige Angebote:
„Digital Überall" – kostenlose Workshops für
Einsteigerinnen und Einsteiger in ganz Österreich, zum Beispiel zu WhatsApp,
Fotos oder ID Austria. Gefördert durch das Bundeskanzleramt, organisiert über
den OeAD.
Volkshochschulen und Bildungswerke – bieten Smartphone- und
Tablet-Kurse an, oft mit Schnupperterminen.
Seniorenbund und Pfarren – etwa mit „Café Smartphone"
oder Smartphone-Stammtischen, bei denen man in Ruhe üben und Fragen stellen
kann.
Regionale Initiativen – wie „TIK – Technik in Kürze" in
der Steiermark mit Kursen und Hotline.
Der beste Einstieg: klein anfangen, eine App wählen, die
wirklich zum eigenen Leben passt (etwa den Videoanruf mit den Enkelkindern) und
in Ruhe ausprobieren. Und wer lieber zum Telefonhörer greift, findet im
Plaudernetz einen guten Weg, wieder ins Gespräch zu kommen.
Quellen:
https://plaudernetz.at/caritas-plaudernetz-zieht-zwischenbilanz-gemeinsam-gegen-einsamkeit-und-isolation
https://blog.magenta.at/verantwortung/gesellschaft/plaudernetz-einsamkeit/
https://www.sn.at/leben/gesundheit/kein-mensch-sollte-einsam-sein-die-plattform-gegen-einsamkeit-art-572733
https://www.digitalaustria.gv.at/kompetenzen/digital-ueberall-angebote.html
https://www.digitalaustria.gv.at/kompetenzen/best-practices/bundeslaender/bundeslaender-2.html
https://ooesb.at/wir-machen-senioren-digital-fit/
https://cochrane.org/de/CD013632/PUBHLTH_videoanrufe-zur-verringerung-sozialer-isolation-und-einsamkeit-bei-alteren-menschen
https://www.startupmag.de/studie-app-gegen-einsamkeit-zeigt-wirkung/
https://pixabay.com/de/photos/frau-drinnen-menschen-aufgewachsen-3188750/
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